Wohnen

„Da oben zu wohnen, ist wie im Paradies zu leben“

Vor fünfzig Jahren zog Bruno Niederbühl zusammen mit seiner Familie in die neu errichteten GGH-Wohnungen auf dem Boxberg.

 

„Als ich von dem Bauvorhaben hörte, habe ich mich gleich um eine Wohnung beworben“, erinnert sich Bruno Niederbühl.
Ende der 1950er-Jahre war das Bauland in Heidelberg knapp geworden. Daher entschloss sich die Stadt, ein Neubaugebiet auf den bewaldeten Hügeln oberhalb von Rohrbach zu erschließen. Gemeinsam mit der Flüchtlingswohnungsbaugenossenschaft FLÜWO hatte die GGH einen maßgeblichen Anteil bei der Errichtung der Waldparksiedlung für 6.000 Einwohner auf dem Boxberg. Insgesamt errichtete die GGH hier innerhalb von fünf Jahren mehr als 720 Wohnungen.

Von Anfang an dabei

Die Familie hatte Glück, bekam eine Wohnung zugeteilt und zog als eine der ersten in die neu errichteten Häuser in der Berghalde. Zuvor hatten sie in der Ziegelgasse in der Altstadt zu dritt in nur einem Zimmer mit Küche gewohnt. Die Gemeinschaftstoilette befand sich im Flur.
„Und dann sind wir hier raufgezogen“, erinnert sich der alteingesessene Heidelberger: „Da oben zu wohnen, war wie im Paradies zu leben.“ Auch wenn anfangs die Straße noch nicht bis zum Ende geteert war, es noch keine Laternen gab und die Handwerker noch in der Wohnung waren. Zwei Zimmer, Küche und Bad sowie einen großen Balkon hatte die neue Wohnung. Insgesamt 24 Familien fanden in der Berghalde 1, 3 und 5 ein neues Zuhause.

 

Wohnen auf dem Berg

„Als wir hochgezogen sind, gab es hier so gut wie nichts“, sagt Bruno Niederbühl, der bis zu seiner Pensionierung als Kraftfahrer bei der Stadt Heidelberg beschäftigt war. Die Schule war noch ein Provisorium, die Kinder mussten bis zur Fertigstellung des Gebäudes im Tal auf die Eichendorffschule gehen. Der einzige Lebensmittelladen befand sich damals auf dem Kühlen Grund, der noch für den Autoverkehr freigegeben war. Dort konnten die Boxberger ihren Einkaufszettel abgeben. Am Abend nach Geschäftsschluss setzte sich der Ladeninhaber dann auf sein Moped und lieferte die Bestellungen bis zur Wohnungstür. „Wir sind am 12. Oktober eingezogen. Zwei Wochen später hatten wir so viel Schnee, dass wir den Schlitten ausgepackt haben und damit bis ins Tal gefahren sind“, berichtet der 90-Jährige.

Gute Luft und alte Freunde

Woanders zu wohnen kommt für den rüstigen Rentner bis heute nicht in Frage: „Warum auch? Ich habe nach vorne und nach hinten raus gleich den Wald. Und die gute Luft hier oben gibt es sonst nirgendwo.“ So wie Bruno Niederbühl wohnen viele GGH-Mieter seit Jahren auf dem Boxberg und können sich ein Leben in der Ebene gar nicht mehr vorstellen. In den angrenzenden Häusern wohnen noch zwei weitere Erstmieter von 1962. Mit beiden ist er bis heute gut befreundet.
„In den fünfzig Jahren, die ich hier wohne, hatte ich nie einen Grund, mich über die GGH zu beklagen. Ganz im Gegenteil: Wenn etwas kaputtgeht, rufe ich an, und gleich am nächsten Tag kommt jemand und bringt es wieder in Ordnung“, berichtet der langjährige Mieter.


Fotos: Christian Buck

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